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14. März 1897
Karlsbader „Badeblatt und Wochenblatt“ Nr. 60
Seite 3
Daſs unser ebenso energischer Bürgermeister
an der Spitze des thatkräftigen Stadtrathes und Stadt-
verordneten Collegiums diese gewiss mit Unrecht
am Platze gewesene Zurückweisung folgerichtig so
behandelte, wie es sich gehörte, sie mit der An-
stellung eines Stadtgeologen beantwortete, zeigt zur
Genüge, daſs die Stadtgemeinde ebenso den festen
Entschluss fasste, die bereits 8 Jahre in Schwebe
befindlich gewesenen Vorschläge endlich zu verwirk-
lichen. Ja der weitere, eigentlich von nicht über-
raschendem Erfolge getrönte Schritt unseres Herrn
Bürgermeisters beim Ackerbauminister, (worüber wir
seinerzeit berichteten. 8. Dec.) zeigte alsbald, wie
sehr Herr Kalich seine damalige Rolle in der Quel-
lenschutzfrage wie auch in puncto Amtsgeheimnis
juristisch verfehlt auffasste.
Obgleich die Literatur über unsere Stadt eine
überaus reiche genannt werden kann, besitzen wir
doch exacte wissenschaftliche Abhandlungen über ihr
Wesen und ihre Schätze nur eine fast verschwindend
kleine Anzahl.
Von den wenigen geognostischen Publicationen
und den 1879 von Hofrath Dr. Ludwig und E.
Mauthner chemisch untersuchten Thermenwässern,
besitzen wir nur noch die seit geraumer Zeit bereits
durchgeführten approximativen Ergiebigkeits- und
Temperaturbestimmungen derselben. Alles Erübri-
gende wird nun die Thätigkeit des obigen Organes
bilden; so wird auf Grund der wissenschaftlich ge-
nauen Messungen sich der meteorologische Einfluss
auf Ergiebigkeit, Temperatur und Gasgehalt, welche
letztere Bestimmung bisher gänzlich vernachlässigt
wurde, ergeben, welcher Einfluss bei auffallenden
meteorologischen Verhältnissen bereits aus der prac-
tischen, oberflächlichen Beobachtung der Quellen sich
erkennbar mache; der genaue Zusammenhang konnte
mit Rücksicht auf die bislang angewandten unge-
nauen Messungsmethoden nicht mit Sicherheit con-
statiert werden, auch waren die bisherigen Messungen
nicht zum Zwecke wissenschaftlicher Verwertung vor-
genommen worden.
Auch inwieweit Grundwasserstände der
Ergiebigkeit der Quellen nahe treten, ist nicht be-
kannt, bei einigen jedoch wurde bereits seit Jahren mit
ziemlicher Gewiſsheit die Thatsache bestätigt gefunden,
daſs einem höheren Grundwasserstande einegrößere Er-
giebigkeit entspricht; ob dies jedoch eine Erhöhung im
geologischen, bezw. 'meteorologischen Sinne ist, oder
nur eine mechanische, darüber können nur perio-
dische chemische Analysen, resp. Trockenrückstand-
bestimmungen Aufschluss geben, die indes bisher
nicht unternommen wurden, so hygienisch wichtig
auch diese Frage erscheint. Diese, wie auch die
Vornahme der einschlägigen Gesteins- und Gruben-
wasseranalysen umfassen die chemische Thätigkeit
unseres städt. Beobachtungsorganes; in physikalischer
Beziehung: die exacte Thermenmessung insgesammt,
das Studium über die Triebkraft der Quellen,
weiters die quasi als „individuelle“ Eigenschaften
der einzelnen Thermen zu bezeichnenden Charactere,
die sich in gewisser Empfindlichkeit von den Sprudel-
quellen oder anderer Zusammengehörigkeitserschei-
nungen untereinander kundgeben; in technischer Be-
ziehung die Arbeiten bezüglich unveränderten Er-
haltens unserer Quellen, wie die Bohrung der
Sprudelöffnungen, die Neufassung der kleinen
Quellen, die bekanntlich ebenso der Verockerung und
Verlegung durch Gesteinsgrus ꝛc, unterliegen, wie
die Sprudelöffnungen der Versinterung, weiters die
topographischen Aufnahmen bei allen mit den
Thermen in irgend einem Zusammenhange stehen-
den Gelegenheiten, die graphische Ausarbeitung der
erlangten Resultate der pysikalischen, chemischen
und geologischen Arbeiten, die Anlage eines General-
quellenplanes, der im Großen und Ganzen ein Bild
unseres Wissens in balneologischer Beziehung, was
die örtliche Lage der Quellen selbst anbelangt, wie
auch der bereits in Angriff genommenen geologischen
Aufnahmen, insbesonders innerhalb der Stadt was
Gesteinsvarietät, Gänge und Klüfte anbelangt, in
planmäßiger Darstellung enthalten soll. Endlich
kommt den physikalischen bezw. chemischen Arbeiten,
die sich auf Bodentemperatur und Bodenluft-Kohlen-
säuregehalt beziehen, sowie deren graphische Aus-
arbeitung (Linien gleichen Kohlensäuregehaltes,
gleicher Temperatur, Bodenisothermen, die sich inner-
halb unserer Stadt durch die bekannten Neuschnee-
Schmelzfiguren selbst jedem Laien auffallend zeigen)
eine hervorragende geologische Bedeutung zu. —
Wenn wir schließlich noch das Studium der ein-
schlägigen Literatur, sämmtlicher Quellenacten ꝛc.,
die Anlage eines alle Schriften und Skizzen über
die Thermen umfassenden Quellenarchives erwähnen,
so ist in kurzen Zügen die dem Stedtgeologen vor-
geschriebene Thätigkeit erwähnt; gewiſs ein reich-
haltiges Programm das wohl für Jahre hinaus
Arbeitsstoff in Hülle und Fülle birgt und welches,
wenn sich auch die Arbeiten zumeist innerhalb
der Stadt finden werden, doch auch Punkte von
eminenter Wichtigkeit enthält, die geeignet erscheinen,
uns in absehbarer Zeit eine Fülle von wissenschaft-
lich verwertbarem Beobachtungsmateriale zu geben;
als ein solches wird ohne Zweifel in hervorragen-
dem Maße dasjenige zu betrachten sein, welches
Schlüsse zu ziehen gestattet betreffs eines Ueber-
greifens der Thermalzone jenseits der Eger, eine
Frage, die bezüglich Quellenschutz wohl den ersten
Platz einnimmt.
In dem oben erwähnten Ministerialerlasse
wurde bekanntlich auch die Bereitwilligkeit ausge-
sprochen, den mit der Jnspection der Caolin- und
Kapselerdegruben bis dato betrauten Revierberg-
beamten in Elbogen dieses Amtes zu entheben. Die
Stadtgemeinde Karlsbad hat naturgewäß die Caolin-
gruben mehr im Auge, da das Material der-
selben lediglich ein der Substanz nach verändertes
aber auf primärer Lagerstätte verbliebenes Granit-
vorkommen bedeutet, welch letzteres mit unseren
Thermen im unzweifelhaften Connex steht. Es ist
wohl dem damals von Oberbergcommissär Kahlich
eingenommenen eigenthümlichen Standpunkte zuzu-
schreiben, daſs nun auch die Stadtgemeinde Karks-
bad beim Ministerium die Creirung eines staatlichen
Schutzorganes anstrebt, dessen Thätigkeit sich wohl
ausschließlich außerhalb der Stadt entfalten würde,
wie dasselbe nun auch in erster Linie berufen wäre,
den Controldienst in den Caolin- und Kapselerde-
gruben zu übernehmen.
Dieser „Quelleninspector“ soll nun auch anderen
Heilquellenorten zugute kommen und in dieser Be-
ziehung ein von mehreren Interessenten honorierter
Staatsbeamter sein, der dem Revierbergamte seiner
Function nach, bezw. dem Vorstande des ersteren
seiner Rangsclasse nach zumindestens coordiniert
sein müsste; auch dürfte es wohl im Interesse aller
zu schützenden westböhmischen Bäder und Brunnen-
orte gelegen sein, wenn mit dieser Function ein
Geologe und nicht ein Montanist betraut würde.
Daſs Karlébad neben den anderen Kurorten als
erster Interessent auftritt und demgemäß wohl auch
den überwiegenden Antheil der hieraus erwachsen-
den Lasten zu tragen gesonnen sein müsste, ist leicht
einzusehen. Daſs für unsere Stadt ein thatkräftiges
Zusammenwirken des städtischen, wie auch des staat-
lichen Organes nicht nur wünschenswert, sondern
auch nothwendig erscheint, braucht wohl nicht erst
eingehender begründet werden; werden doch in den
meisten Fällen die Arbeiten unseres Geologen, der
wie schon der Name der hiemit geschaffenen Insti-
tution „Beobachtungsstation des Thermalgebietes“
sagt, in erster Linie ein Beobachtungsorgan ist, die
Basis zu weiteren directen Schutzvorkehrungen seitens
des staatlichen Quelleninspectors bilden und auch
in vieler anderer Beziehung ausschlaggebend sein.
— Im Sinne dieser Bestrebung ist auch die vor
Kurzem in einigen Blättern erschienene Notiz, dass
die Regierung zum Schutze der Heilquellen Böhmens
die Anstellung eines „geologischen Quellenschutz-
organes“ aufzufassen. — Nicht nur die von Seiten
unserer Stadtgemeinde bereits eingeschlagenen Wege
eines wirksamen Thermenschutzes, sondern auch die
Art und Weise der weiteren Ausgestaltung dieser
jedem Karlsbader so nahe gehenden Institution,
) d. i. Mischung von Grundwasser mit Thermalwasser.
dischen Gottheiten ähnelnde Wesen gewesen, denn
auf einer nahen, mondhellen Waldfreiheit brannten
im offenen Halbkreis eine Anzahl kleiner Feuer,
welche bei der herrschenden Hitze nur den Zweα
haben konnten, die Nacht noch mehr zu erhellen.
Hinter dichtem Bnschwerk verborgen, bereiteten
sich die Bunya-Männer für die eigenthümliche Feier
vor, wobei sie sich des verschiedenfarbigen Thones
und Lehmes als Schminke bedienten.
Um die Feuer, jedoch nur an der Außenseite
derselben, sammelten sich die alten Weiber.
Die Greise, jungen Mädchen und Jünglinge,
soweit sie noch nicht zu „jungen Männern“ geweiht
worden, sowie die Kinder bildeten seitwärts von dem
Feuerkreise malerische Gruppen.
In einiger Entfernung, doch so, daſs sie auch
Zeugen des Nachtschauspiels waren, lagerten, stark
gefesselt und bewacht, die Gefangenen vom Dugong-
stamm.
„Heiderose“ befand sich nicht unter ihnen, man
hatte sie in das Zelt des Häuptlings „Mapwa“
gebracht und dieser hatte ihr selbst die Fesseln ab-
genommen.
„Ein Heldenweib, wie Dich, legt man nicht
in Fesseln,“ sagte er galaut, „es wäre denn in
diejenigen, welche Deinen weißen Vater mit Deiner
schwarzen Mutter verbanden. Sprich, willst Du
mein Weib sein, schöne Heiderose?“
Seine Blicke voll lohender Gluth unterstützten
die Sprache der Liebe. Er musste schon viel mit
Weißen zusammengekommen sein, um so zu sprechen.
„Seit wann ist der Habicht zum Täuberich
geworden?“ gab Heiderose höhnend zurück. „Was
weißt Du von Liebe!“
Sie dachte an Friedrich. Daſs ein ander er
und noch dazu ein Wilder mit ihr, die sich zu den
Weißen rechnete, von Liebe zu sprechen wagte, em-
pörte sie.
„Mehr als Du ahnst,“ entgegnete Mapwa
mit tiefem Athemzuge. „Ja, schon lange,“ fuhr er
in wachsender Erregung fort, „folgten meine Augen
voll Bewunderung den Spuren Deines kleinen
Fußes. Aber das Wallaby ist nicht so flink wie
Du, und Deine Augen gleichen den ewigen Lichtern
dort oben, die in der tiefsten Dunkelheit am hellsten
strahlen. Schon lange trachtete ich danach, Dich
in meine Gewalt zu bekommen. Du warst zu gut
bewacht, zu stark behütet und nur Verrath konnte
Dich mir in die Hände liefern.“
„Verrath?!“ fuhr Heiderose erbleichend empor.
Der Häuptling neigte bestätigend das Haupt.
„Wer, wer hat mich verrathen?“ begehrte die
Creolin leidenschaftlich auf.
Er verschränkte die Arme über der breiten
Brust.
„Er, der Dich liebte und dessen Liebe in Haſs
übergegangen,“ entgegnete er triumphirend. „Er
hat Dich mir an's Messer geliefert. Weißt Du
nun, wer es that?“
Die Wirkung dieser Worte auf Heiderose war
eine furchtbare. Ihre Zunge war vor Schreck ge-
lähmt, sie vermochte dem nicht Worte zu geben,
was sie in tiefster Seele bewegte. Nur mit den
Augen suchte sie in den Zügen des Wilden zu lesen,
was er nicht aussprechen wollte, daſs Friedrich —
Friedrich es gewesen, der, um sich ihren Nachstellun-
gen zu entziehen, ihre Schritte belauscht und sie
den Bu nya ausgeantwortet hatte. Von Liebe
ihm getrieben, hatte sie seine Thäterschaft des
Mordes an dem „Deutschen“ verheimlicht. Um
seine verlorenen Sputen wieder aufzufinden, war
sie unaufhaltsam vorgedrungen in die endlose
Wildnis. Sie war ermattet hingesunken und von
den mitleidigen Dugong ihrem friedlichen Lager
zugeführt worden. Das hatte er beobachtet. So
war er fortgeeilt, um seinem geheimen Verbündeten
zu melden, daſs das Vöglein in die Falle gegangen.
Ohne Zweifel, das war es, was der Häuptling
ihr bedenten wollte.
Sie biss die Zähne fest zusammen, um nicht
laut aufschreien zu müssen vor wildem Schmerz. —
Nein, dieser schwarze Toufel sollte sie nicht leiden
sehen, sich an ihrer Qual nicht weiden!
�Gut, ich bin Dein,“ stieß sie zischend hervor.
„Das heißt,“ fuhr sie, seinen nach ihr ausgestreckten
Arm zurückstoßend, fort, „Du hast die Macht, mich
zu tödten, keine sonst. Ich verlange kein besseres
Schicksal als das, welches meine Stammesgenossen
erwartet. Möget Ihr an unserem Fleische Euch
den qualvollsten Too essen, Du und ihr alle!“
Mit Mapwa ging eine Veränderung vor.
Sie bemerkte es und reizte ihn noch weiter.
„Rolle nur Deine Augen, wetze Deine Zähne,
elender Kannibale!“ rief sie. „Gib mir ein Messer
in die Hand, und ich will es mir selber in die
Brust stoßen, nur um Deinen verhassten Anblick
nicht länger ertragen zu müssen. Sage nur selbst,
ob Du — Du mein Herz in Liebe entflammen
kannst!“
Sie war berückend schön in ihrem edlen Zorn.
Mapwa sah es, und heißes Begehren aus jedem
zu Zuge seines zuckenden Gesichts.
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